Coming of Age: Im Nirgendwo zwischen Junge und Mann

Wenn ich heute alte Fotos von mir ansehe, stelle ich fest: Mit zwölf, dreizehn und selbst mit 14 sehe ich noch immer wie ein kleiner Junge aus. Auch wenn ich mich zu dieser Zeit schon längst nicht mehr so fühlte.

Mein straßenköterblondes, von meiner Mutter im zeitlosen Topfstil geschnittenes Haar stand mir damals in alle Richtungen ab. Meine Haut war glatt wie ein Babypopo, ohne den geringsten Flaumansatz. Das galt übrigens für meinen ganzen Körper: Haare hatte ich lange Zeit wirklich nur auf dem Kopf. Und dazu nicht einmal Pickel. Nicht, dass ich mir eine hartnäckige Akne gewünscht hätte, wie sie so manchen meiner Klassenkameraden plagte, aber ein oder zwei Pubertätspusteln als Zeichen voranschreitender Reife wären schon nicht verkehrt gewesen. Ich sah nicht nur unreif aus, ich war es wirklich.

Obwohl ich versuchte, mir das Gegenteil einzureden. Immerhin hatte ich bereits geraucht, Alkohol getrunken, Pornos angesehen, ja war sogar bereits schon entjungfert worden. Doch statt mich deshalb besser, größer, erfahrener zu fühlen, wünschte ich mir insgeheim die unbeschwerte Zeit meiner Kindheit mitsamt all den harmlosen, heimlichen Schwärmereien zurück.

Aber dieses Zeit war unwiederbringlich vorüber und dennoch erschien mir das selbstbestimmte, freie Leben, das ich so sehr herbeisehnte, Lichtjahre entfernt zu sein. Es gehörte zu den traurigen Gewissheiten, die mich in dieser Zeit plagten: Ich konnte noch so erwachsene Dinge tun, ich blieb doch bloß ein dreizehneinhalbjähriger Wurm.

Es geht vorüber, glaub mir. Die Pubertät stirbt im vierten Jahr. Du wirst achtzig“, versuchte Peter, nicht ohne eine Spur von Selbstmitleid, mein adoleszentes Ich aufzubauen. Aber vier Jahre sind für einen Heranwachsenden eine halbe Ewigkeit. Überhaupt war Peter der Einzige, der meinem undankbarem Dasein als möchtegern-frühreifer Teenboy nur Positives abgewinnen konnte. Dennoch schämte ich mich ihm gegenüber, weil ich ihm körperlich und geistig dermaßen unterlegen war.

Es fällt mir bis heute schwer zu akzeptieren, dass es genau das war, was er an mir liebte: meine Unreife.

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